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Rückblick auf die gemeinsame Studienfahrt nach Oświęcim

 

 

 

Eine Fangruppe von Hertha BSC und des Karlsruher SC war in der ersten Juniwoche in Polen, um die ehemaligen deutschen Konzentrationslager in Auschwitz zu besuchen.

Aus der eigenen Geschichte lernen! Auch in diesem Jahr besuchten wieder Fans beider Vereine in der ersten Juniwoche unter diesem Leitsatz die im Süden Polens gelegenen Städte Oświęcim und Kraków. Die jährlich stattfindende Gedenkstättenfahrt wird von den Fanprojekten und Fanbetreuungen beider Vereine organisiert und von den beiden Profivereinen bezuschusst. Aufbauend auf zwei Biographien, die des Berliner Mannschaftsarztes Dr. Hermann Horwitz und des deutschen Nationalspielers des Karlsruher FV Julius Hirsch, deren Lebenswege in den Lagern von Auschwitz endeten, versuchten die Teilnehmer der Reise, begleitet von zwei Historikern, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Die polnische Stadt Oświęcim und ihr ehemaliges jüdisches Leben
Nach der Ankunft, am Montag den 4. Juni, stand eine geführte Besichtigung des jüdischen Friedhofes und anderer Orte des ehemaligen jüdischen Lebens in der Stadt Oświęcim an. Im Anschluss daran besuchte die Gruppe das „Jewish Center Oświęcim“ in dem ihnen die jüdische Kultur und Geschichte der Stadt nähergebracht wurde.
Ziel war es, die Stadt Oświęcim, die im Nationalsozialismus den deutschen Namen Auschwitz trug, nicht nur als Ort der Vernichtung zu sehen, sondern auch das jahrhundertealte jüdische Leben der Stadt kennenzulernen, das jäh durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs und den bald daraufhin stattfindenden Holocaust ausgelöscht wurde.

Die deutschen Konzentrationslager in Auschwitz
Um einen historischen Zugang zu erhalten, tauschten sich die Teilnehmer am Dienstagmorgen in einem Workshop über die Biographien von Horwitz und Hirsch aus. Anschließend wurde der erste Teil des deutschen Lagerkomplexes Auschwitz I besucht. Das in einer ehemaligen polnischen Kaserne errichtete Konzentrationslager bildete dabei das Verwaltungszentrum des genannten Lagerkomplexes. Dieser setzte sich später aus drei großen Lagern zusammen, dem Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager), dem Konzentrations- und Vernichtungslager Birkenau (Auschwitz II) und dem von der I.G. Farbenindustrie, einem deutschen Chemiekonzern, betriebenen Konzentrationslager Monowitz (Auschwitz III). Gemeinsam mit etwa weiteren 40 Außenlagern bildeten diese drei Lager den Lagerkomplex Auschwitz.

Am darauffolgenden Mittwoch besuchte die Gruppe zuerst die außerhalb des Vernichtungslagers Auschwitz Birkenau gelegene „Alte Judenrampe“, an der Julius Hirsch und Hermann Horwitz im Frühjahr 1943 mit ihren Deportationszügen ankamen. Julius Hirsch wurde vermutlich sofort nach der Ankunft ermordet, Hermann Horwitz überlebte noch einige Wochen als Lagerarzt in Monowitz und dem Stammlager, bevor sich auch seine Spur verlor. Zur Erinnerung an beide Personen und zur Mahnung an den millionenfachen Massenmord der Nationalsozialisten legte die Gruppe Blumen und eine in einen Rahmen gefasste Botschaft an der „Alten Judenrampe“ nieder: „Wird gedenken Julius Hirsch & Hermann Horwitz sowie allen Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus. Euer Leben und Sterben sind Mahnung und Auftrag für uns. Die Fans von Hertha BSC und dem Karlsruher SC, Juni 2018“. Anschließen lief die Gruppe zu Fuß zum Lager Auschwitz-Birkenau. Allein die schiere Größe des Lagers, es umfasste circa 140 Fußballfelder, wirkte auf die Teilnehmer einschüchternd und erschreckend zugleich. Grauen erregend wirkten auch die auf dem Gelände befindlichen Gaskammern, in denen unter der nationalsozialistischen Herrschaft mehr als 900 000 Menschen ermordet wurden, weitere 200 000 Menschen kamen im Lager aufgrund mangelnder Ernährung, Krankheit, medizinischer Experimente oder Misshandlungen ums Leben. Die 1,1 Millionen Opfer in Auschwitz Birkenau stammten aus fast allen besetzten Ländern Europas, über 90% davon waren jüdischen Glaubens.

Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmer bei einer Partie Fußball und Boule, um einen gewissen Abstand zu dem gerade Erlebten zu erhalten. Am Donnerstag besichtigte die Gruppe die Überreste des Konzentrationslager Monowitz, welches von der IG Farbenindustrie betrieben wurde. Es war damit das einzige privat geführte Konzentrationslager und verdeutlichte die Verflechtung der Wirtschaft mit den nationalsozialistischen Herrschaftsinstrumenten. Am Freitagmorgen wurden im Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau verschiedene Quellen der Gedenkstätte vorgestellt, bevor die Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit hatten, das Gelände und die Länderausstellungen selbstständig zu erkunden.
Abschluss in Kraków

Am Freitagmittag machte sich die Gruppe auf den Weg nach Kraków. Am darauffolgenden Morgen stand die Besichtigung des ehemaligen jüdischen Viertels Kazimierz und den Überesten des Krakauer Ghettos auf dem Programm. Am Samstagnachmittag fand ein Zeitzeugengespräch mit Rena Rach statt, die als Kind im Krakauer Ghetto geboren wurde und mit ihrer Mutter aus diesem fliehen konnte und so den Holocaust überlebte. Diese Erzählung
und die Eindrücke der letzten Tage ließen die Teilnehmer tief bewegt zurück und bestätigten sie darin, auch heute noch Verantwortung zu tragen und aus der eigenen Geschichte zu lernen

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